Handys auf der Hochzeit: Warum ihr eure Gäste bitten solltet, sie wegzupacken

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Ich sage euch etwas, das ihr vielleicht nicht erwartet von einem Fotografen: Kameras können Hochzeiten ruinieren. Nicht meine Kamera. Sondern die dreißig Smartphones, die sich gleichzeitig in die Luft strecken, wenn ihr euch das Jawort gebt. Handys auf der Hochzeit sind inzwischen fast unvermeidbar geworden.

Als Hochzeitsfotograf im Kreis Mettmann erlebe ich das bei fast jeder Hochzeit. Und jedes Mal denke ich: Dieses Foto wäre perfekt gewesen. Wenn da nicht ein Arm mit Handy im Bild gewesen wäre. In diesem Beitrag erkläre ich euch, warum Handys auf der Hochzeit ein echtes Problem sein können und wie ihr das elegant löst.

Was ich als Fotograf wirklich sehe

Stellt euch vor: Die Braut läuft zum Altar. Ein magischer Moment. Der Bräutigam sieht sie, seine Augen werden feucht. Die Gäste halten den Atem an. Und dann passiert es. Zwanzig Hände gehen hoch. Zwanzig Handybildschirme leuchten. Zwanzig Arme versperren die Sicht.

Was ich in diesem Moment durch meine Kamera sehe, ist nicht mehr das Gesicht des Bräutigams. Es ist eine Wand aus Smartphones. Der emotionalste Augenblick des Tages, verdeckt von Displays.

Das ist keine Übertreibung. Das passiert regelmäßig. Und es betrifft nicht nur meine Arbeit als Fotograf. Es betrifft auch euch als Paar. Denn wenn eure Gäste den Moment durch ihr Handy erleben statt mit ihren eigenen Augen, fehlt etwas. Die Verbindung. Die Präsenz. Das gemeinsame Gefühl.

Das Problem mit Handyfotos

Versteh mich nicht falsch: Handys machen heute gute Fotos. Aber ein Handyfoto von einer Hochzeit ist etwas anderes als ein professionelles Bild. Und das liegt nicht nur an der Technik.

Das Licht in einer Kirche, einem Standesamt oder einer Location wie dem Historischen Bürgerhaus Langenberg ist oft schwierig. Handys kompensieren das mit hartem Blitzlicht, das die Stimmung komplett zerstört. Plötzlich sieht ein warmer, romantischer Raum aus wie eine Kantine. Dazu kommt: Handyblitze stören meine Belichtung. Ein einziger Blitz aus der Gästereihe kann ein Foto ruinieren, an dem ich minutenlang auf den perfekten Moment gewartet habe.

Und dann ist da noch der Winkel. Ich positioniere mich bewusst so, dass ich den besten Blickwinkel auf euch habe. Wenn ein Gast aufsteht oder sein Handy in die Luft streckt, ist dieser Winkel blockiert. Bei einer Trauung gibt es keinen zweiten Versuch. Der Kuss ist vorbei. Der Moment ist weg.

Was eure Gäste verpassen

Hier kommt der Teil, der nichts mit Fotografie zu tun hat und trotzdem vielleicht der wichtigste ist.

Eure Gäste sind da, weil sie euch lieben. Sie sind da, um diesen Tag mit euch zu teilen. Wenn sie den Einzug der Braut durch einen Handybildschirm verfolgen, verpassen sie genau das, wofür sie gekommen sind. Sie verpassen den Moment.

Ich habe bei Hochzeiten beobachtet, wie Gäste so sehr damit beschäftigt waren, das perfekte Handyfoto zu machen, dass sie den eigentlichen Augenblick komplett verpasst haben. Die Oma, die mit zittrigen Händen versucht, ihr Handy auf Kameramodus zu stellen, statt ihrer Enkelin beim Jawort in die Augen zu schauen. Der beste Freund, der ein verwackeltes Video dreht, statt einfach da zu sein und zu fühlen.

Das klingt hart. Aber es ist die Realität, die ich als Fotograf bei vielen Hochzeiten sehe.

Die Lösung: Unplugged Wedding

Immer mehr Paare entscheiden sich für eine sogenannte Unplugged Wedding. Das bedeutet nicht, dass Handys komplett verboten sind. Es bedeutet, dass ihr eure Gäste bittet, während der Trauung ihre Handys wegzupacken und den Moment mit eigenen Augen zu genießen.

Das könnt ihr auf verschiedene Arten kommunizieren. Ein schönes Schild am Eingang der Location mit einem Satz wie “Bitte packt eure Handys weg und genießt diesen Moment mit uns. Unser Fotograf fängt alles für euch ein.” Euer Trauredner oder Standesbeamter kann es zu Beginn der Zeremonie kurz ansagen. Oder ihr schreibt einen freundlichen Hinweis auf eure Einladungskarten oder eure Hochzeitswebsite.

Die meisten Gäste verstehen das sofort und sind sogar dankbar dafür. Denn mal ehrlich: Wer schaut sich danach wirklich die verwackelten Handyfotos an, wenn es eine professionelle Galerie mit hunderten bearbeiteten Bildern gibt?

Wann Handyfotos okay sind

Ich bin kein Handyfeind. Im Gegenteil. Es gibt Momente auf einer Hochzeit, in denen Handyfotos absolut okay und sogar erwünscht sind.

Auf der Party, wenn alle tanzen und feiern, sind spontane Handyschnappschüsse großartig. Sie zeigen die Perspektive der Gäste, die lustigen Momente am Rand, die Selfies an der Fotobox. Das sind Erinnerungen, die meine Fotos wunderbar ergänzen.

Mein Vorschlag ist deshalb immer: Während der Trauung und während des Brautpaarshootings bitte keine Handys. Danach darf jeder fotografieren, so viel er will. So bekommt ihr das Beste aus beiden Welten.

Wie ihr es eurem Fotografen leichter macht

Wenn ihr mich als euren Hochzeitsfotografen bucht, sprechen wir das Thema gemeinsam durch. Ich sage euch ehrlich, in welchen Momenten Handys ein Problem werden und wie wir es am besten lösen. Dabei geht es nie darum, eure Gäste zu bevormunden. Es geht darum, euch die bestmöglichen Erinnerungen zu sichern.

Ein einfaches Schild, eine kurze Ansage und schon ändert sich alles. Die Trauung fühlt sich intimer an. Die Gäste sind präsenter. Und ich kann meine Arbeit machen, ohne gegen eine Wand aus Smartphones ankämpfen zu müssen.

Am Ende profitieren alle davon. Ihr bekommt bessere Fotos. Eure Gäste erleben einen intensiveren Moment. Und wenn die Galerie fertig ist, habt ihr Bilder, auf denen man Gesichter sieht statt Handyrückseiten.

Es ist euer Tag

Ihr habt viel Geld, Zeit und Herzblut in die Planung eurer Hochzeit gesteckt. Ihr habt die Location ausgesucht, die Blumen bestellt, das Kleid gefunden, den Fotografen gebucht. Lasst nicht zu, dass dreißig Smartphones die schönsten Momente eures Tages überlagern.

Traut euch, eure Gäste darum zu bitten. Es ist euer Tag. Und ihr verdient es, ihn in vollen Zügen zu genießen. Mit Augen, die euch anschauen. Nicht mit Displays.

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