
Stellt euch folgende Szene vor. Die Trauung ist vorbei, alle stehen draußen, die Sonne scheint, die Stimmung ist euphorisch. Und dann beginnt es. Tante Erna soll mit aufs Bild. Wo ist Tante Erna? In der Küche bei den Schnittchen. Onkel Klaus auch noch dazu. Wo ist Onkel Klaus? Hat sich gerade hingesetzt. Die Trauzeugen, die Eltern, die Geschwister, die Großeltern. Eine halbe Stunde später steht die Stimmung still und das Brautpaar wünscht sich nur noch eins: Endlich loslegen mit dem eigentlichen Feiern.
Ich bin Arthur, Hochzeitsfotograf in Velbert, und in diesem Beitrag möchte ich ehrlich mit euch über ein Thema sprechen, das jede Hochzeit betrifft: Gruppenfotos. Wie sie aktuell oft ablaufen, warum das nicht mehr zeitgemäß ist und wie ihr es deutlich besser machen könnt.

Mein Stil: Die echten Momente einfangen
Bevor ich zum Kern des Themas komme, ein Wort zu meiner Arbeitsweise. Ich bin Reportagefotograf. Mein Ziel ist es, die ungestellten und echten Momente eures Tages einzufangen. Das Lachen, die Tränen, die zärtlichen Blicke, die spontanen Umarmungen. Diese Bilder sind es, die euch in zehn Jahren beim Durchblättern der Galerie wirklich berühren werden.
Und genau hier entsteht oft ein Spannungsfeld. Weil ich immer wieder erlebe, dass Brautpaare unglaublich viel Wert auf klassische Gruppenfotos legen. Aneinandergereiht, alle schauen in die Kamera, alle lächeln auf Kommando. So wie es schon vor hundert Jahren gemacht wurde, als die Belichtungszeiten so lang waren, dass die Menschen für ein Foto minutenlang stillstehen mussten.

Warum Lineup Gruppenfotos heute nicht mehr zeitgemäß sind
Versteht mich nicht falsch. Gruppenfotos haben absolut ihre Berechtigung. Die ganze Familie auf einem Bild zu haben, vor allem an einem so besonderen Tag, ist wertvoll. Es geht nicht darum, ob ihr Gruppenfotos machen sollt. Es geht darum, wie ihr sie macht.
Das klassische Lineup, bei dem 20 oder 30 Personen in einer Reihe stehen und alle in die Kamera lächeln, hat ein paar Probleme. Es wirkt statisch und langweilig im Vergleich zu echten Momentaufnahmen. Zudem kostet die Aufstellung enorm viel Zeit, weil immer jemand fehlt, jemand blinzelt, jemand nicht weiß wo er hinschauen soll. Außerdem unterbricht das Ganze die Stimmung eures Tages an dem Punkt, an dem die Energie eigentlich nach oben gehen sollte. Und ehrlich gesagt: Diese Bilder schaut ihr euch später kaum noch an.
Was bleibt sind die Bilder, auf denen euer Opa euch fest umarmt, weil er stolz auf euch ist. Auf denen eure beste Freundin euch zum Lachen bringt. Auf denen die ganze Familie spontan im Kreis steht und prostet. Diese Bilder erzählen Geschichten. Das Lineup tut es nicht.

Der wahre Killer: Keine Planung im Voraus
Wisst ihr, was Gruppenfotos auf Hochzeiten wirklich mühsam macht? Nicht die Gruppenfotos selbst. Sondern die Tatsache, dass sich vorher niemand Gedanken darüber gemacht hat, welche Konstellationen überhaupt gewünscht sind.
Wenn ich nach der Trauung frage “Welche Gruppenfotos wollt ihr denn?”, kommt oft ein “Hmm, lass mal überlegen”. Und dann wird ad hoc überlegt, wer alles aufs Bild soll. Brautpaar mit den Eltern der Braut. Danach mit den Eltern des Bräutigams. Anschließend alle Eltern gemeinsam. Es folgen die Geschwister, die Großeltern, die Trauzeugen, alle Freunde und am Ende noch die Arbeitskollegen.
Jede dieser Konstellationen bedeutet: Die richtigen Personen finden, in Position bringen, aufstellen, fotografieren. Bei zehn Konstellationen sind das schnell 30 bis 45 Minuten. Zeit, in der die Stimmung einschläft, eure Gäste rumstehen und ihr als Brautpaar genervt seid, weil ihr eigentlich feiern wollt.
Die Lösung: Eine Gruppenfoto Liste vor der Hochzeit
Es gibt eine sehr einfache Methode, das komplette Problem zu lösen. Ihr schreibt vor der Hochzeit eine Liste mit den Gruppenkonstellationen, die euch wirklich wichtig sind. Diese Liste schickt ihr mir und wir besprechen sie gemeinsam. Am Hochzeitstag rufe ich die Konstellationen dann gezielt auf, koordiniere die Personen und wir sind in 15 Minuten durch.
Was gehört auf eine gute Gruppenfoto Liste? Aus meiner Erfahrung sind das die wichtigsten Konstellationen: Brautpaar mit den Eltern beider Seiten, Brautpaar mit den Geschwistern, Brautpaar mit den Großeltern, Brautpaar mit den Trauzeugen, ein großes Gruppenfoto mit allen Gästen. Das sind fünf bis sechs Konstellationen, die in 15 Minuten machbar sind und alle wichtigen Menschen abdecken.
Alles darüber hinaus solltet ihr euch ehrlich fragen: Brauchen wir das wirklich? Schauen wir uns das jemals wieder an? Wenn die Antwort nein ist, lasst es weg. Eure Stimmung und eure Gäste werden es euch danken.

Ein praktischer Tipp: Die Familie vorher briefen
Noch ein Trick, der Gold wert ist. Sagt euren engsten Familienmitgliedern vor der Trauung, dass nach der Zeremonie Gruppenfotos gemacht werden und sie bitte in der Nähe bleiben sollen. Klingt banal, aber wenn alle wissen, dass sie für 15 Minuten verfügbar sein müssen, ist niemand in der Toilette, in der Küche oder am Rauchen, wenn er gebraucht wird.
Eine kurze Ansage von eurem Trauredner oder Standesbeamten am Ende der Zeremonie kann auch helfen. “Die nächsten 15 Minuten sind für Gruppenfotos reserviert. Bitte folgt den Anweisungen des Fotografen.” Sofort ist klar, was passiert.
Mein Mittelweg: Klassisch und Reportage kombiniert
Ich mache mit euch gerne die wichtigsten klassischen Gruppenfotos, weil sie für viele Familien Tradition sind und einen Platz in der Galerie verdienen. Aber ich versuche auch, sie so unaufgeregt wie möglich zu gestalten. Schnell, effizient, ohne stundenlange Aufstellerei.
Zusätzlich fange ich während des ganzen Tages die natürlichen Gruppenmomente ein. Wenn die Trauzeugen euch nach der Trauung gemeinsam auf den Arm nehmen. Oder die ganze Familie beim Sektempfang lacht. Manchmal entsteht auf der Tanzfläche plötzlich ein wilder Kreis aus Freunden. Diese Bilder sind die echten Familien und Freundesfotos eurer Hochzeit. Und sie sind tausend Mal wertvoller als ein steifes Lineup.
Was bleibt am Ende übrig
Wenn ihr in zwanzig Jahren eure Hochzeitsgalerie öffnet, werdet ihr ein paar Sekunden bei den klassischen Gruppenfotos verweilen. Vielleicht ein wehmütiges Lächeln, weil manche der Menschen darauf nicht mehr da sind. Das ist wichtig und schön.
Aber die Bilder, bei denen ihr richtig hängen bleibt, sind andere. Es sind die Bilder, auf denen Leben passiert. Bewegung, Emotion, echte Verbindung zwischen Menschen. Genau dafür arbeite ich. Und genau deshalb ist meine Bitte an euch: Plant eure Gruppenfotos vorher, haltet die Liste kurz und überlasst den Rest mir. Ich verspreche euch, ihr werdet die Galerie lieben.
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